Zuchtgeschichte der Criollos

Ein ganz besonderes Pferd aus Südamerika, vorwiegend Argentinien, Brasilien,

Chile und Uruguay.

Der Criollo geht auf die iberischen Pferde zurück, die im 16. Jahrhundert und später aus Spanien nach Südamerika gebracht wurden. Diese Pferde waren eng mit dem Berber und frühen iberischen Pferden (Sorraia; Andalusier etc.) verwandt; Viele Criollos aus traditionellen Zuchten stellen ein sehr typisches „iberisches Kolonialpferd“ dar, das hochwertigen Spanish Mustangs, ursprünglichen Westernrassen oder – sofern überhaupt vergleichbar – den besten Indianerpferden ähnelt und dabei sein iberisches Erbe deutlich zeigt.

 

Im rauen Klima der Pampa erfolgte über mehrere Jahrhunderte ein natürlicher Selektionsprozess, in dem langfristig nur die widerstandfähigsten Individuen überlebten. Auf diese Weise entstand ein besonders zähes, ausdauerndes und langlebiges Pferd. Estancieros, Gauchos und Indianer hielten und vermehrten stets die besten, ausdauerndsten und willigsten Pferde, weil schließlich ihre Existenz von diesen abhing.

 

Der Schweizer Abenteurer Aimé Félix Tschiffely setzte dieser Rasse durch seinen Kontinentalritt mit zwei Criollos von Argentinien bis in die Vereinigten Staaten von Amerika (1925–1928) ein Denkmal. Seine Pferde Mancha (von Manchado, zu dt. der rötlich Gescheckte), ein Overo-Schecke und Gato (dt. die Katze), der seinen Namen aufgrund seiner auffällig geschmeidigen Bewegungen erhielt, waren zu Beginn der Reise bereits 18 bzw. 16 Jahre alt.

Sie stammten angeblich von indianischen Pferden ab. Nach der Reise lebten sie bis zu ihrem Lebensende auf der Ranch ihres Züchters, des Criollo-Zuchtbuchbegründers Emilio Solanet in extensiver Haltung. Beide erreichten ein für Pferde überdurchschnittlich hohes Alter; Mancha wurde 35, Gato 40 Jahre alt.

 

Mit der Zeit kam es außerhalb Argentiniens zu Züchtungen auf Basis des Criollos, die zu eigenständigen Rassen führten: in Brasilien der Crioulo, in Chile der Criollo Chileno oder Corralero, an der peruanischen Küste der Costeño, im peruanischen Gebirge der Marocucho und in Venezuela der Llanero. In Uruguay und Paraguay sind die örtlichen Criollos, Criollo Uruguayo und Criollo Paraguayo, mit dem brasilianischen Crioulo und dem argentinischen Vetter eng verbunden.

Heute werden erfolgreiche Zuchtpferde oder Blutlinien international ausgetauscht bzw. verkauft; besonders chilenische Criollos sind als gute Leistungsvererber begehrt. Sie sind typisch recht klein, dabei aber sehr kompakt und wendig. Hauptzuchtländer sind wohl Argentinien, Uruguay und Brasilien; neben der Marcha als Leistungsprüfung kommt von Brasilien der multiple Bewerb „Freno de Oro“ immer mehr in Mode; dabei werden die qualifizierten Pferde über drei Tage in zehn Bewerben scharf geprüft. Diese Bewerbe ähneln u. a. einer Reining, dem Speed Trail, Working Cowhorse, Halter/Exterieur und inkludieren Mangera und Paleteada. Der Prestige-Bewerb Freno gilt heute als besonders wertvoll, bewirkt aber eine Typverschiebung in Richtung eines Westernpferdes.

 

Die Criollos verlieren aufgrund der Mechanisierung immer mehr Bedeutung beim Ranching im Campo (Weideland); dafür finden sie ihren Weg in den Sport, wie jüngste Erfolge deutscher Criollos in hochklassigen Westernbewerben beweisen. Der alte Typ droht verloren zu gehen.

Die erfolgreichsten Zuchtbetriebe konzentrieren sich heute auf einen recht feinen, sportlichen Typ mit sehr langem Rücken und feinerem Hals und elastischen Bewegungen.

Criollos definitivos werden ähnlich wie in Europa inspiziert und eingetragen und mit Papieren versehen; Brandzeichen sind üblich.

Mestizos und jene Pferde, die nicht auf Zuchtschauen gezeigt werden, sondern „nur“ als Gaucho-Pferde dienen sollen, brauchen nicht inspiziert zu werden; es gibt jedoch inzwischen auch in Südamerika für jedes reinrassige Pferd ein Identifikationsdokument.

 

Anfang der 1980er Jahre kamen über Italien per Schiff viele Pferde nach Europa, die anfangs als „Criollos“ verkauft wurden. Tatsächlich wurden sie aber in ganz Südamerika als Schlachtpferde aufgekauft und – um die italienischen Zollvorschriften zu umgehen – auch als solche eingeführt. Sie waren unter Deck eingepfercht und einige überstanden die Strapazen des Transportes nicht.

Unter ihnen waren nur sehr wenige Criollos, die überwiegende Mehrzahl waren Mestizos, also Kreuzungsprodukte ohne Papiere; die Verkäufer dieser Mischlinge machten gute Geschäfte – wurden sie doch als Criollos und so genannte „Anfängerpferde/Ranchpferde“ angeboten. Die Criollo-Zucht in Deutschland hat eventuell noch mit diesem schlechten Ruf zu kämpfen, wobei zu betonen ist, dass viele Mestizen gute und sympathische Gebrauchspferde sind.

Wer jedoch einen in Deutschland, Italien oder der Schweiz geborenen Criollo definitivo erwirbt, kann davon ausgehen, dass er ein im Verhalten einwandfreies Pferd erhält, das nicht durch den Schiffstransport traumatisiert ist.

Die meisten in Deutschland gezüchteten Criollos sind beim Bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen eingetragen, wo auch eine Hengst- und Stutleistungsprüfung angeboten wird, die der Marcha nachempfunden ist und im Rahmen einer eintägigen Feldprüfung durchgeführt wird. Auch der Zuchtverband für deutsche Pferde, ZfdP, betreut sie züchterisch und stellt Papiere aus etc. (Quelle: Wikipedia)

Rassestandart

Gebäude

Kopf:

kurzer Kopf, kurzes Nasenbein, gerades Profil, kleine Ohren, große, ausdrucksvolle Augen, über den Rand der breiten Stirnfläche hinausgehend, feinlippiges, eher kleines Maul, bewegliche Nüstern,lebhafter Ausdruck, große starke bemuskelte Ganaschenfreiheit

 

Hals:

Ansatz am Körper breit und weit,kräftig, muskulös und mittellang,auch bei Stuten; im Genick breit, mit üppiger langer Mähne und fast gerader Unterlinie

 

Körper:

Größe: min. 138cm, max. 150 cm,

Im Rechteck stehend, genügend Widerrist, viel Rumpftiefe, halbschräge Kruppe, Schweif üppig behaart, breite tiefe Brust, Brustumfang zwischen 170 cm und 186 cm, schräge, stark bemuskelte Schulter, Buggelenke weit auseinanderstehend

 

Fundament:

Klare, kräftige Gelenke und Sehnen, gut bis stark entwickelte Muskulatur, bei korrekter Stellung der Extremitäten. Sprunggelenk, Achillessehnen kräftig entwickelt und belastbar wirkend. Hinterhand eher gerade und weit gestellt. Wenig Kötenbehang, der sich nicht an der Röhre hochziehen soll. Hufgröße entsprechend der Beinstärke, mit guter Hornqualität und bevorzugt schwarzer Farbe.

 

Bewegungsablauf:

Schritt mit durchschnittlichem Raumgriff, enorm fleißig, bei sehr gutem Untertritt. Trab mit mittlerem Raumgriff ohne starke Knieaktion, Galopp rund bei guter Aufrichtung. Alle Gangarten leichtfüßig und trittsicher, dabei bequem zu sitzen.

 

Einsatzmöglichkeiten:

In den Ursprungsländern als Arbeitspferd an den Rindern und Schafen eingesetzt, in Deutschland als ausdauerndes Wanderreitpferd und sehr wendiges Westernreitpferd beliebt.

 

Besondere Merkmale:

Sehr leistungsbereit, äußerst anspruchslos in Haltung und Futter, überaus gehorsam und langlebig.

©2019 Lisa Kern